Die Dorfkirche zu Frankenstein

1206 erste urkundliche Erwähnung

Dorfkirche Frankenstein
Dorfkirche Frankenstein

Eine von Bischof Dietrich II. von Meißen zu Dörschnitz am 1. Oktober 1206 ausgestellte Urkunde bezeugt, dass Markgraf Dietrich der Bedrängte kraft kaiserlichen Privilegs die (Erträge der) Kirche Frankenstein dem Armen-Hospize zu Dörschnitz einverleibt habe.
Bezeugt ist, dass die Besiedlung unserer Gegend zwischen 1144 (Freigabe des Gebietes zur Besiedelung) und 1162 (Gründung des Klosters Altzella) erfolgt ist. Das belegt die auf dem Collmer Landding 1185 ausgestellte Urkunde, die u.a. die Grenzen des Klostergebietes umschreibt. Dort heißt es: "Von hier (Langenau) an dem Flüßchen (Striegis) hinab bis an die Dörfer Eckard's, daselbst kehrt man, nachdem jedoch zuvor 37 Maßruten ... herausgenommen sind, wieder an dasselbe Flüßchen zurück. Von hier das Flüßchen abwärts bis Frankenstein."
Die Silberfunde an der Ostgrenze des Klostergebietes nahe bei dem heutigen Freiberg machten 1185 eine Neuordnung nötig. Der Verlauf der Westgrenze des Klostergebietes blieb, wie 1162 festgelegt, und hier wird das vor dem Kloster schon bestehende Frankenstein erwähnt. Gemeint ist frankenstein minor (Klein-Frankenstein), wie Wingendorf damals genannt wurde.
Ein Siedlungstreck besiedelte also damals das Tal des Kemnitzbaches bis zur Mündung in die Striegis (Memmendorf; Frankenstein, Kleinfrankenstein) und das Tal der Harth, die in die Kemnitz mündete (Hartha), und baute sich als erstes steinernes Gebäude, die Kirche Frankenstein.
Die Siedler stammten aus dem fränkischen Raum, waren Christen und hatten einen Pfarrer dabei. Der mag wenige Jahre nach 1200 verstorben sein und die Suche nach einem Nachfolger endete im Kloster Dörschnitz. Das entsandte einen Geistlichen und bekam - vertraglich abgesichert durch oben erwähnte Urkunde - für die Versorgung des Geistlichen und den Erhalt der Kirche den Ertrag der vier Hufen Landes, die bei der Besiedelung der Kirche zugeordnet worden waren.

Die gotische Dorfkirche
hatte zur Nordseite keine Fenster. Die Kirche war eingewölbt, hatte eine umlaufende Holzempore mit Bildern biblischer Geschichten an der Brüstung. Bei Reparaturarbeiten sind diese als Fragmente unter der Sakristeidecke gefunden worden. Der Gotische Altar mit mehreren Heiligenfiguren befindet sich im Freiberger Bergbaumuseum. Die Grablegung Jesu wurde restauriert und ist in der ständigen Ausstellung im Bergbaumuseum zu sehen. Ein kleiner Taufstein mit der Jahreszahl 1594 wurde bei Restaurierungsarbeiten im Mauerwerk entdeckt und steht jetzt unter der Orgelempore.

1748-1752 Umbau der Kirche
Am 26. Januar 1748 wird an das Konsistorium nach Dresden gemeldet: Die Empore ist „abgefault" und das Gewölbe "wandelbar", so dass die Leute Angst haben, in der Kirche zu sitzen.
Am 12 April werden mit dem Maurermeister Christoff Frey aus Leubsdorf und mit dem Zimmermeister Gottlieb Ohndorff aus Freiberg Bauverträge geschlossen. Am 3. Mai 1748 wird zwischen dem Collator der Frankenkensteiner Kirche, Herrn Friedrich August von Schönberg, Kammerherr auf Wingendorf und Hainichen und mit dem Bildhauer Gottfried Stecher aus Hainichen ein Vertrag über die Herstellung eines Kanzelaltars und eine Taufengels geschlossen.
Gottfried Stecher verziert den Altar mit Engeln, die auf Gottes Wort, die Gebote und das Abendmahl hinweisen, die Kreuz und Marterwerkzeuge der Gemeinde vor Augen halten und in einer Gebetshaltung Lobpreis, Dank und Bitte der Gemeinde zu Gott (Strahlenkranz im oberen Teil) tragen. Die Schmuckmotive auf blauem Grund sind Zeichen des Triumphes. Links: IHS In Hoc Signo - rechts: die drei Kreuzigungsnägel als V - Vinces, das heißt, „in diesem Zeichen wirst du siegen".
Am 4. Dezember 1748 reicht der Augustusburger Orgelmacher Bellmann einen Entwurf für eine neue Orgel für 520 Thaler ein, zuzüglich 40 Thaler bei tiefer Kammertonstimmung, der aber nicht zur Ausführung kommt.
Während des Umbaus der Kirche verhandelt die Kirchgemeinde mit Gottfried Silbermann, der am 18. Juli 1749 verspricht, eine Orgel für 300 Thaler herzustellen.
Das Orgelgehäuse liefert der Bilderhauer Gottfried Stecher aus Hainichen. Die Orgel wurde im Frühjahr 1752 unter der Regie Daniel Silbermanns, dem Universalerben Silbermanns, eingebaut und vollendet. Vielleicht konnte der kranke Gottfried Silbermann die Fertigstellung miterleben. Er starb am 4. August 1753.
Rechts neben dem Altar sind die Epitaphe der Familie von Schönberg.
Friedrich August von Schönberg ließ für sich die Loge erbauen. Von dort hatte er einen freien Blick zu Altar, Kanzel und Orgel, aber auch auf die Bilder seiner Eltern zu seiner rechten Seite. Über seiner Loge sein Monogramm FAvS in verschlungen und gespiegelten Buchstaben.
Geldknappheit und der Siebenjährige Krieg unterbrachen die äußere Gestaltung der Kirche. Die durch die Hebung des Kirchenschiffdaches notwendig gewordene Turmerhöhung wurde unterbrochen, der Turm nur mit einer Holzhaube überdeckt.

Glockenpfad zur Kirche Frankenstein

1821 Der Turm erhält seine lange geplante barocke Haube
1882 Im November fällt der Turm in einem Wintergewitter mit Schneesturm einem Blitzschlag zum Opfer und kann nicht gehalten werden.
1883 Neubau des Turmes im alten Stil durch Zimmermeister Pönisch aus Langenstriegis. Der Kirchenvorstand setzt sich mit großer Mühe gegen das Konsistorium durch, das der Gemeinde einen neuromanischen, neugotischen oder einen neorenaissance Turm einreden wollte. Die Kirche erhält innen einen einheitlichen Anstrich in Holzmaserung einschließlich der Orgel, "verschont" wurde der Altar.
1923 Ausmalung der Kirche mit den Namen der Gefallenen und den am Altar noch zu sehenden roten und grauen Farben
1980 -1991 Beginn einer Innenerneuerung in kleinen Schritten
1993 -1997 Komplette Außenerneuerung und Sanierung auf der Basis von Spenden, Finanzbeihilfen der Landeskirche und Denkmalpflegemitteln der Unteren und Höheren Denkmalschutzbehörde.
1997 -1998 Restaurierung des Silbermann-Orgel durch die Firma Rühle, Moritzburg. Restaurierung des Orgelgehäuses durch den Restaurator Alpha, Schellenberg.   (C.L.)
 
 
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